Einzel, Partner- oder Gruppenarbeit

Einzel, Partner- oder Gruppenarbeit

Wann ist welche Sozialform effektiv?

Unter dem Begriff Sozialform versteht man die Konstellation, in der Lernende im Kontext von (Hochschul-)Unterricht miteinander zusammenarbeiten. Vier mögliche Varianten der Zusammenarbeit, die sich bedeutsam auf die Kommunikations- und Beziehungsstruktur des Lernens auswirken, sind Einzel-, Partner-, Gruppen- und Plenumsarbeit (Drumm, 2007; Grunder, Ruthemann, Scherer, Singer & Vettinger, 2007).

Im Hochschulunterricht ist die Entscheidung für eine Sozialform oft eng an das Veranstaltungsformat gekoppelt: In Vorlesungen wird fast überwiegend Plenumsunterricht abgehalten, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die/der Vortragende einen hohen Redeanteil hat und hierüber die Struktur sowie das Tempo der Erarbeitung für alle Lernenden vorgibt. Im Gegensatz dazu sind Seminare und Übungen stärker auf die Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden oder die Kooperation der Lernenden untereinander ausgerichtet (Kopf, Seidl & Leipold, 2010). Allerdings ist diese Einteilung nicht als strenge Vorgabe anzusehen, da auch in Vorlesungen, z. B. im Kontext des Flipped Classroom, Partner- und Gruppenarbeiten implementiert werden können und in Seminaren und Übungen der Lernprozess oftmals durch eine Person gesteuert wird, z. B. bei einem klassischen Referateseminar (siehe auch Ulrich, 2016, S. 9). Aus diesem Grund ist die Entscheidung für eine Sozialform, die immer auch eine Methodenentscheidung impliziert, eine didaktische und in erster Linie abhängig von den Zielen und Inhalten der Veranstaltung (Heimann, Otto & Schulz, 1970; Klafki, 1964; siehe auch Artikel zum Thema Lehre Planen). Vor dem Einsatz einer Sozialform sollte sich daher jeder Lehrende die nachfolgenden Fragen nach Gudjons et al. (1982, S. 20, zitiert nach Grunder et al., 2007, S. 93) stellen:

  • „Ist die Methode auf einen Inhalt und ein Ziel bezogen?
  • Trägt sie der individuellen Situation der Lernenden Rechnung?
  • Können Lehrperson und Lernende mit dieser Form umgehen?
  • Lässt sich die Sozialform pädagogisch-didaktisch legitimieren?
  • Ist die Sozialform unter den jeweiligen Gegebenheiten realisierbar?“

Im vorliegenden Beitrag werden die Vor- und Nachteile verschiedener Sozialformen (Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit) vorgestellt sowie didaktische Umsetzungsmöglichkeiten am Beispiel der verschiedenen hochschulischen Lehrformate erläutert. Hierbei werden auch immer motivationspsychologische Grundannahmen diskutiert. Da die Motivation von Studierenden neben didaktischen Gestaltungsaspekten immer auch von Persönlichkeitsvariablen, Interessen und der individuellen Lernhistorie beeinflusst wird, kann keine Sozialform für alle Studierenden gleichermaßen motivierend sein. Daher empfiehlt es sich, diese von Zeit zu Zeit zu variieren, um Lern- und Beteiligungschancen zu erhöhen.

Für Hinweise zur Gestaltung von Plenumsunterricht wird auf Rummler (2014), Schneider und Mustafić (2015) und Ulrich (2016, Kap. 5) verwiesen.

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Quellen