Einstieg & Ausgangspunkt

Einstieg & Ausgangspunkt

Warum soll ich Stoff reduzieren, um mehr Zeit für Aktivierung zu haben?!?

Abbildung nach Döring 2008; Ders./Ritter-Mamczek 2001; eigene Abbildung, Brendel 06/2016

„Ich habe soviel Stoff, den muss ich in 1,5 h einfach durchbringen!“; „Hochschule ist dazu da, Stoff zu vermitteln, lernen sollen die Studierenden zu Hause!“; „Aktivierende Methoden sind doch Spielchen – eine Hochschule ist kein Kindergarten“; „Die Studierenden sind Erwachsene und haben sich bewusst für ein Studium entschieden – daher setze ich ihre Motivation voraus!“

Solche und ähnliche Argumente tauchen immer dann auf, wenn von Aktivierung in der Lehre an Hochschulen die Rede ist. In der Tat muss in einer Lehrveranstaltung Zeit vorhanden sein, um aktivierende didaktische Methoden einzusetzen – das gilt für Vorlesungen genauso wie für Seminare oder Übungen. Dies geht in der Regel nur durch Stoffreduktion (siehe Ritter-Mamczek, B. 2011)

Natürlich müssen sich Studierende auch außerhalb der Lehrveranstaltung selbsttätig mit den Inhalten auseinander setzen. Aber auch in der Lehrveranstaltung ist Aktivierung der Studierenden sehr wichtig, denn das Gehirn ist kein Trichter und kann – selbst bei hohem Intelligenzquotient – in einer gewissen Zeit nur begrenzt neues Wissen (in Form von deklarativem und prozeduralem Wissen) aufnehmen. Dieser Zeitraum beläuft sich bei Erwachsenen auf 20 – 30 Minuten. Hinzu kommt: Lernen besteht nicht nur aus „Einatmen“, d.h. der Aufnahme von Wissen, Erkenntnissen etc. Sondern es braucht noch einen zweiten Schritt – das „Ausatmen“ – damit das Gehörte oder Gelesene in die individuellen Gehirnstrukturen aufgenommen und an vorhandenes Wissen „angedockt“ werden kann. Dieses „Ausatmen“ geht nur, indem die Lernenden selbst aktiv sind und mit dem zuvor Gehörtem und Aufgenommenen etwas tun. Dafür sind aktivierende Methoden sehr hilfreiche Vehikel.

Quellen

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