Flipped Classroom und JiTT im Überblick

Flipped Classroom und JiTT im Überblick

Flipped Classroom und JiTT aus Perspektive der Lehrenden und Studierenden im Überblick

Abb.1: „Flipped Classroom“ bzw. JiTT Lehrveranstaltungen im Überblick aus Lehrenden und Studierendenperspektive

In Abbildung 1 sind die Bausteine Selbstlernphasen und Präsenzphasen dargestellt. Als verbindendes Element zwischen beiden Phasen sind Fragen entsprechend des JiTT-Konzepts aufgeführt. Für Lehrende und Studierende haben die genannten Elemente jeweils spezifische Funktionen, die im Folgenden exemplarisch im Überblick dargestellt werden.

In den Selbstlernphasen geht es Lehrenden darum die Studierenden mit Grundlagenwissen zu versorgen. Die Produktion des Lernmaterials erfordert Vorarbeit. Dies gilt vor allem für E-Learning-Material. Mit dem erstellten Material bekommen die Studierenden die wichtigsten Inhalte mit annähernd gleicher Qualität vermittelt. Während das gesprochene Wort in einer Vorlesung nicht beliebig wiederholbar ist, kann das Material in den Selbstlernphasen (z.B. Vorlesungsmitschnitte) zu jeder Zeit genutzt und von den Studierenden hinterfragt werden. Dies sorgt für große Transparenz in der Lehre und wirkt qualitätssichernd. Damit die Studierenden in der Selbstlernphase eine gute Orientierung haben, müssen die Phasen von den Lehrenden gut geplant und Arbeitsaufträge präzise gestellt werden. Missverständlich gestellte Anweisungen sind in Selbstlernphasen nur mit großem Aufwand zu korrigieren, da eine direkte Kommunikation mit den Studierenden nur schwer möglich ist. Die Lehrenden haben den Vorteil, dass sie Vorlesungen zum gleichen Thema nicht mehrfach vorbereiten müssen, da sie hierfür das erstellte E-Learning-Material einsetzen können. Der Einsatz ist ebenfalls für thematisch ähnliche Vorlesungen möglich. Außerdem können die Lehrinhalte von der Lehrkraft orts- und zeitunabhängig vermittelt werden, was der Lehrkraft Freiräume schafft.

Das Lernen in den Selbstlernphasen ermöglicht es den Studierenden flexibel zu lernen. Die Studierenden können das Lehr-Lern-Material im eigenen Tempo durcharbeiten und ggf. Wissenslücken an den Stellen, an denen sie auftauchen, selbstständig schließen. Diese Form des Lernens erlaubt den Studierenden an beliebigen Orten und zu selbstgewählten Tageszeiten mit dem Lehr-Lern-Material zu arbeiten. Für die Studierenden besteht zum Teil Unsicherheit, ob sie die Lehr-Lern-Inhalte in angebrachter Tiefe durchdrungen haben. Bei Fragen zu den Lehr-Lern-Inhalten gibt es im Gegensatz zur Präsenzveranstaltung keine Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme mit dem Lehrpersonal. In der Regel ist lediglich eine asynchrone Kommunikation per Mail oder über die Lernplattform (z.B. Forum) möglich. Im Hinblick auf die Studierenden müssen die Lehrenden bedenken, dass diese über eine heterogene technische Ausstattung verfügen, dies betrifft z.B. die Bandbreite des Internetzugangs (z.B. Stream von Videos) oder vorhandene Software (z.B. ob für Inhalte Flash benötigt wird).

Die Fragen am Ende der Selbstlernphase ermöglichen es den Lehrenden Informationen über den Kenntnisstand der Studiereden zu erhalten. Somit bestimmen die Ergebnisse der Fragen die Präsenzveranstaltung mit. Die Lehrenden müssen hierfür vorab entsprechende Fragen formulieren. Diese können z.B. für die Abschlussklausur verwendet werden.

Für Studierende wirken die Fragen strukturierend und geben somit vor bis wann, welche Inhalte gelernt werden sollen. Zusätzlich dienen die Fragen auch der Selbstüberprüfung, denn die Studierenden können anhand der Ergebnisse erkennen, ob sie die vermittelten Inhalte verstanden haben.

In den Präsenzphasen haben die Lehrenden nicht mehr die Funktion eines reinen Vermittlers / einer reinen Vermittlerin von Lerninhalten, vielmehr kommt ihnen die Rolle eines Moderators / einer Moderatorin zu. Auf der Basis der in der Selbstlernphase gestellten Fragen, können die Studierenden selbst in die Beantwortung der Fragen einbezogen und ggf. Input von Seiten der Lehrenden gegeben werden. In einem zweiten Schritt kann ermittelt werden, welche Inhalte die Studierenden vertiefen möchten und wo weitere Fragen bestehen. In der Präsenz bietet es sich ebenfalls an, organisatorische Fehler aus der Selbstlernphase direkt anzusprechen. Es kann auch ein Feedback zur Selbstlernphase mit dem Ziel der Optimierung eingefordert und die sich anschließende Selbstlernphase organisatorisch besprochen werden.

Aus Studierendenperspektive bietet die Präsenz die Möglichkeit in direkten Kontakt mit den Lehrenden zu treten und Fragen direkt an die Lehrkraft zu stellen. Dies betrifft zum einen Fragen zu Unsicherheiten in Bezug auf die Lehr-Lern-Inhalte, zum anderen auf Vertiefungs- bzw. Anwendungswünsche von Inhalten. Auf Grund der Face-to-Face Kommunikation erhalten die Studierenden unmittelbar ein Feedback.

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