Tipps für die Praxis

Worauf beim Einsatz von Forschenden Lernen geachtet werden sollte

Auch wenn in Deutschland noch keine empirischen Ergebnisse zur Wirksamkeit von Forschendem Lernen (oder „Forschungsnahen Lernen“) vorliegen, so existieren doch an einigen deutschen Hochschulen konkrete Erfahrungen in der Durchführung vom Forschenden Lernen. Als häufige Umsetzungsprobleme werden benannt:

  • Motivation und Vorab-Orientierung
  • Entwickeln einer Fragestellung
  • Organisation der Recherchen
  • Vorbereitung, Wahl, Anwendung von Forschungsmethoden
  • Beratung und Feedback: Bereitstellung
  • Dokumentation und Präsentation: Anleitung
  • Prüfungsformen (passend zu Lernzielen und Lehr- und Lernform)
  • Prozessreflektion und Evaluation
  • Aufwand
  • Qualitätssicherung

(Huber 2013, S. 247)

Raum für Projektideen und Entwicklung von Fragen geben:

  • ausreichend Zeit für Konzeption der Projekte einplanen
  • Phase der Fragestellungsfindung großzügig einplanen
  • Studierende bei der Realisierung derselben beraten
  • Inhaltliche Freiräume für studentische Entwicklungen geben, damit sie ihre eigenen Interessen einbringen können (Motivation)

Einen klaren Orientierungsrahmen geben:

  • Klare Rahmung der Lernsituation, da allzu grosse Offenheit Überforderung für die Studierenden darstellt
  • Transparenz über Anforderungen und Verbindlichkeit geben überschaubare Zeiteinheiten für die jeweiligen Phasen einplanen

Methodentraining:

  • Stud. mit Forschungsmethoden vertraut machen: Dies kann vor der Veranstaltung geschehen oder begleitend,
  • Empfehlenswert ist eine vorherige Vermittlung von Forschungsmethoden in einem dafür eigenen Seminar, weil dies eigene zeitliche Belastung reduziert, d.h. im Curriculum schauen, ob eine Methodenvermittlung vorher geplant ist und dann eigene Lehrveranstaltung curricular zeitlich nach einer solchen Methodenschulung einplanen.
  • Falls ja: Ein Besuch der Methodenveranstaltung als Voraussetzung formulieren.

Begleitung und Beratung der Studierenden:

  • Anteil der studentischen Eigenarbeiten soll grösser als Input der Lehrenden sein
  • Beratungssituation der gegenseitigen studentischen Beratung schaffen (fördert Reflexionsfähigkeit, soziale Kompetenzen)
  • Lehrperson: sich der Rolle als BeraterIn (stärker als WissensvermittlerIn) bewusst sein und diese ausfüllen

Ausrichten der Tätigkeiten auf „echte Bewährungssituationen“:

  • reale Praxis- bzw. Problemfelder erhöhen Motivation und Engagement
  • Theorie-Praxistransfer

Studentische Tutor_innen mit eigener Forschungserfahrung einsetzen:

  • Tutor_innen stellen ein „Vorbild“ für die Studierenden dar
  • Der Einsatz von Tutor_innen senkt die Arbeitsbelastung von Lehrenden (Begleitung und Beratung von Studierenden) enorm
  • D. h. ggf. bei der Planung von einem Seminar mit dem Konzept des Forschenden Lehren und Lernens den Einsatz von Tutor_innen (auch finanziell) einplanen.

(Quelle: Hellmer, 2009, S. 218ff)

Hellmer, J. (2009): Forschendes Lernen an Hamburger Hochschulen – Ein Überblick über Potentiale, Schwierigkeiten und Gelingensbedingungen, in: Huber, Ludwig et al. (Hrsg.): Forschendes Lernen im Studium. S. 200 – 223. Bielefeld: Universitätsverlag Webler.

Huber, L. (2013): Methodische Anregungen für den Umgang mit pragmatischen Schwierigkeiten im Forschenden Lernen. In: Ders., Kröger, M., Schelhowe, H. (Hrsg.): Forschendes Lernen als Profilmerkmal einer Universität. Beispiele aus der Universität Bremen. S. 247-255. Bielefeld: Universitätsverlag Webler.