Unterstützende Methoden für die Online-Lernbegleitung

Welche Methoden eignen sich besonders gut?

An dieser Stelle kann nur ein kleiner Überblick über geeignete Methoden gegeben werden. Weitere Beispiele sind dem Buch „E-tivities. The Key to Active Online Learning“ von Gilly Salmon zu entnehmen (siehe S. 97ff).

Ganz allgemein zählen zu dieser Stufe Informationen, Materialien und Schulungen, die den Einstieg in die Lehr-Lernumgebung ermöglichen. Neben Materialien, die vorbereitend zur Verfügung gestellt werden, sollte bei Szenarien, die nicht ausschließlich asynchron abgehalten werden, immer auch genügend Zeit während der synchronen Phasen (in der Regel Präsenz oder Adobe Connect) für den technischen Einstieg eingeplant werden.

Darüber hinaus können erste Übungen angeboten werden, die zum einen bereits die Technik nutzen, die für den weiteren Lernprozess eingesetzt wird, und damit deren Handhabe einüben lassen und zum anderen ein erstes Kennenlernen ermöglichen. Dies können sein:

  • Posten von Interessen und Ideen zum Finden von Lernpartnern. Wohnorte können insbesondere bei örtlich verteilten Lernenden interessant sein und durch (interaktive) Karten abgefragt werden.
  • Fotos, (Handy-)Videos, (abfotografierte) Zeichnungen können erstellt werden, um sich vorzustellen.
  • Für einen selbst aussagekräftige Leitsprüche, Zitate, Produktmarken (ggf. auch schon mit Bezug zum inhaltlichen Thema) können erfragt und kommentiert werden.

Gegenseitiges Kennenlernen und das Schaffen einer gemeinsamen Vertrauensbasis stehen im Fokus der Stufe 2. Hierzu eignen sich Methoden, die dazu beitragen, etwas über sich preiszugeben:

  • Erfragen der jeweiligen Lerngewohnheiten, -strategien, -orte, -zeiten etc.. Mit Hilfe dieser Informationen können Studierende sich mit ähnlichen oder sich ergänzenden Lernvorlieben für die spätere Zusammenarbeit finden.
  • Im Prinzip kann darüber hinaus nach allen möglichen Interessen, Vorlieben, Hobbies oder ähnlichem gefragt werden, die dazu geeignet sind, etwas über sich zu verraten. Dies kann die Frage nach Haustieren, Lieblingsorten, Reisezielen, Lieblingsbüchern, Fernsehserien, Musik u.Ä. sein, was anschließend für einen Austausch über Gemeinsamkeiten, Unterschiede, persönliche Highlights genutzt werden kann.

Neben reinen Textbeiträgen ist es wünschenswert, in dieser Stufe auch andere Medienformate wie z.B. Fotos von sich selbst am Lieblingsort oder mit dem eigenen Haustier etc. einzufordern. Auch eigene Zeichnungen, Videos, Audionachrichten, Playlists etc. verraten viel über einen selbst, laden zum Austausch ein und fördern damit das gegenseitige Kennenlernen.

Skeptiker mögen an dieser Stelle anmerken, dass das gegenseitige Kennenlernen ja bereits auf dem Campus oder in einem sozialen Netzwerk stattfindet und damit im Lernprozess übergangen werden kann. Es geht in dieser Stufe jedoch explizit darum, eine gemeinsame Basis für den kommenden Lernprozess zu schaffen – möglichst bereits in dem Medium, mit dem auch gelernt werden soll. Die Steuerung dieses Prozesses strebt gleichzeitig mehrere Effekte an:

  • Die Lernenden lernen auf einfache Art und Weise mit dem Medium (z.B. die Lernplattform moodle) umzugehen und sich dort zu präsentieren.
  • Es werden alle Lernenden auf gleiche Art und Weise in den Prozess mit einbezogen.
  • Durch transparente Aufgabenstellungen ist für die Studierenden nachvollziehbar, weshalb sie sich hier aktiv einbringen sollen.

In der Stufe 3 geht es vor allem um die Wiedergabe und das Verständnis der Fachinhalte. Folgende Lernaktivitäten zielen auf diese Zielsetzungen ab:

  • Aufzeichnungen sog. TED-Talks können bei vielen Themen als Aufhänger für die inhaltliche Auseinandersetzung mit einem neuen Thema eingesetzt werden.
  • Zur Verfügung gestellte Fachinhalte und/oder -methoden sollen von den Lernenden in wenigen Worten zusammengefasst und untereinander diskutiert werden.
  • Studierende können dazu angeregt werden, Fragen zu formulieren, die sie selbst gern im Hinblick auf das Thema beantwortet hätten. Andere Studierende übernehmen dann die Beantwortung dieser Fragen und dafür erforderliche Recherche. Die Lehrperson fasst die Erkenntnisse ggf. zusammen und korrigiert, sofern erforderlich.
  • Durch Rechercheaufträge können Lernende dazu ermutigt werden, mit eigenem Fokus auf das Thema weitere Inhalte zusammenzutragen und zu kommentieren. Die Ergebnisse können anschließend auf einem virtuellen Marktplatz präsentiert und diskutiert werden.
  • Spielerische Elemente wie kleinere Wettbewerbe in moodle und gegenseitige Bewertungen können weitere Anreize schaffen.
  • Bei Webkonferenzen via Adobe Connect können Methoden wie das World Café oder das Gruppenpuzzle mit entsprechenden Fragestellungen bzw. Diskussionsaufträgen eingesetzt werden.

Auf der Stufe 4 geht es darum, dass die Lernenden die neuen Lerninhalte anwenden und darüber hinaus analysieren, bewerten oder auch neues (er-)schaffen können.

  • Es können fachspezifische Modelle, Theorien, Ansätze zur Verfügung gestellt werden, die anschließend von den Studierenden angewendet werden. Alternativ kann auch nach Anwendungsbeispielen gefragt werden.
  • Nach Gilly Salmon ist die virtuelle Gruppenarbeit mittlerweile untereinander etabliert (d.h. Gruppen wissen, wie sie Koordinations- und Kollaborationsprozesse angehen können und welche Medien sich für was eignen) , so dass komplexere Gruppenaufgaben eingesetzt werden können. In diesem Sinne können umfangreichere problem-, projekt- oder fallbasierte Aufgaben angeboten werden. Diese Aufgaben sollten einen Realitätsbezug haben und komplex genug sein, so dass eine Bearbeitung allein oder zu zweit nicht möglich ist. Ferner sollte der Mehrwert einer Gruppenaufgabe durch die so mögliche Perspektivvielfalt berücksichtigt werden. Planspiele erfüllen beispielsweise diese Kriterien.
  • In Ergänzung zu den Rechercheergebnissen, die auf einem virtuellen Marktplatz präsentiert werden (siehe Methoden zu Stufe 3), können gemeinsame Kriterien erarbeitet werden, die die Basis für eine anschließende gegenseitige Bewertung bieten.
  • Ebenso können Lernende explizit um (kritische) Stellungsnahmen zum Inhalt gebeten werden. Gezielt verteilte Rollen/Perspektiven können hierbei helfen, multiple Perspektiven bewusst herauszuarbeiten und die Diskussion entfachen.

Stufe 5 zielt auf die Reflexion und Bewertung des Gelernten ab. Alle Inhalte, ob durch Lehrende bereitgestellt oder während des Lernprozesses neu erarbeitet, sollten permanent verfügbar sein.

  • Lernende können dazu animiert werden, sich ihre erledigten Aufgaben noch mal anzuschauen und zu reflektieren, was sie gelernt haben, welche Fortschritte sie gemacht haben, wo es eventuell gehakt hat und wie sie damit umgegangen sind. Dies unterstützt zum einen die Wiederholung des Gelernten, führt aber auch zu einem kritischen Umgang mit dem eigenen Lernprozess und ermöglicht Erkenntnisse über eigene Lernstrategien.
  • Transferfragen können dazu anregen, über die eigenen Interessensschwerpunkte nachzudenken, wie sie weiterverfolgt werden können, welche Relevanz das Gelernte für die weitere Zukunft hat und welche offenen Fragen es noch gibt. Zukunftsszenarien können entworfen und ihr Weg dorthin beschrieben werden. Mit Hilfe eines konstruktiven Peer-Feedbacks kann eine Rückmeldung dazu gegeben werden, wie realistisch die Pläne erscheinen, wo es sich ggf. lohnt, noch mal genauer hinzuschauen und nächste Schritte zu konkretisieren und wo ggf. Schwierigkeiten vermutet werden.
  • Mit einem 360°-Feedback kann die Reflexion aus unterschiedlichen Perspektiven angestoßen werden. Zum einen reflektieren Teilnehmende über sich selbst, mit Hilfe vordefinierter Leitfäden geben sie allerdings auch drei anderen Lernenden eine Rückmeldung zu ihrem Lernprozess und erhalten im Gegenzug drei Peer-Feedbacks. Wichtig ist es hierbei, die Methode sauber auszuarbeiten und den Studierenden Fragestellungen und Vorgehensweisen für das Peer-Feedback anzubieten.
  • Salmon, Gilly (2011): E-moderating. The Key to Teaching and Learning Online. New York & London: Routledge. Third Edition
  • Salmon, Gilly (2013): E-tivities. The Key to Active Online Learning. New York & London: Routledge. Second Edition