Formen von Diskussionen und Lehrgesprächen

Lehrgespräche und Diskussionen können unterschiedliche Ausprägungen und Zielsetzungen haben, die im Folgenden als Überblick dargestellt werden. Ein PDF mit zusammengefasster Tabelle ist auch unter www.lehridee.de erhältlich: Hier geht's zum Download der Tabelle.

Sieben Formen von Lehrgesprächen

Austausch kennzeichnet…
Ein spontanes, offenes, unsystematisches Gespräch z. B. beim „come together“ auf Tagungen.
Wie geht's?
  • Menschen treffen aufeinander und unterhalten sich über, für sie interessante, Themen
Gefahr?
  • „Bla bla bla“, nicht mehr als Smalltalk
Was kann die Moderation tun?
  • Austausch ermöglichen und danach die Überleitung zum eigentlichen Thema anmoderieren
Abfrage kennzeichnet…
Das Sammeln von Ideen und Gedanken zu einer Fragestellung, z. B. in Form einer Metplankartenabfrage.
Wie geht's?
  • Die Frage vorstellen und Ideen schriftlich oder mündlich erheben
Gefahr?
  • Die Gruppe hat zu wenig Vorkenntnisse oder eine Diskussion ist das Ziel, es bleibt aber beim Beantworten der Frage
Was kann die Moderation tun?
  • Den Teilnehmenden die Frage zu Eigen machen oder die Frage abändern
  • Von der Frage zur Diskussion überleiten und durch Fragen die Auseinandersetzung in der Gruppe anregen
Offene Diskussion kennzeichnet…
Eine freie Diskussion zu einem Thema bzw. einer Fragestellung, auf die die Gruppe „Appetit“ hat.
Wie geht's?
  • Fragestellung finden und los geht's
Gefahr?
  • Es weder roten Faden noch erkennbares Ergebnis
Was kann die Moderation tun?
  • Klären Sie den Rahmen mit der Gruppe,
  • strukturieren Sie zwischenzeitlich mit Zusammenfassungen und
  • lassen Sie die Gruppe ein Fazit ziehen
Strukturierte Diskussion kennzeichnet…
Eine vorstrukturierte Diskussion mit einer fokussierten Fragestellung, wie z. B. Pro-Kontra-Diskussion.
Wie geht's?
  • Fragestellung und Arbeitsfragen vorbereiten, Arbeitsauftrag erteilen und durchführen
Gefahr?
  • Es gibt eher ein Abfragen als eine Diskussion oder die Diskussion geht trotz Fokus in eine andere Richtung
Was kann die Moderation tun?
  • Perspektivwechsel herbeiführen, provozieren oder zeitweise (angekündigt) in die Teilnehmendenrolle wechseln
  • Rahmen (neu) klären oder Themenspeicher eröffnen, indem weitere Fragen/Themen für später aufgegriffen werden
Diskussionsmethoden kennzeichnet…
Eine umfangreichere didaktische Methode, die ein Diskussionsziel hat, z. B. Battle of theories
Wie geht's?
  • Methode vorbereiten, Arbeitsaufträge verteilen, durchführen, Ergebnisse sichern, ggfs. Methode und Diskussion reflektieren
Gefahr?
  • Es besteht keine Betroffenheit oder die Diskussion bleibt trocken, zäh oder oberflächlich
Was kann die Moderation tun?
  • Methode und Thema stärker in die Lebenswelt oder den Wissenschaftsbezug rücken
  • Fragen dem Niveau der Teilnehmenden besser anpassen
  • Teile der Moderationsaufgaben an die Studierenden delegieren
  • Provozieren oder teilweise (angekündigt) in die Teilnehmerrolle wechseln
Gelenktes Lehrgespräch kennzeichnet…
Die Verbindung von Lehrvortrag mit Fragen, die den Vortrag weiterführen und Studierende zum Mitdenken anregen soll. Ein Lehrgespräch ist eher dozierenden- und lernzielorientiert.
Wie geht's?
  • Passende Wissens-, Verständnis- oder Anwendungsfragen zum Thema vorbereiten und zwischendurch einfügen. Das Lehrgspräch kann als Einstieg zur Wiederholung, zum Hauptteil als Erarbeitung, bzw. Anwendung oder beim Ausstieg als Lernerfolgskontrolle genutzt werden
Gefahr?
  • Wirkt abfragend-schulisch, wie ein „Ping-Pong-Spiel“,
  • die gesuchten Antwort demotiviert hinsichtlich der weiteren Beteiligung und lässt wenig Spielraum oder
  • es melden sich wenige oder immer die selben Studierenden
Was kann die Moderation tun?
  • Lernende frühzeitig einbinden
  • Beiträge wertschätzen und ein kooperatives Lernklima schaffen
  • Fragen vor allem auch nutzen, um die Inputphase für die Aktivierung aller zu unterbrechen, um dann zu mehr Beteiligung anzuregen – hier geht's zu einer Methodensammlung auf www.lehrideen.de
  • Lehrende sind hier mehr in der Bezüge herstellenden Moderationsrolle
  • Mehr Zeit zum Nachdenken geben und entsprechend immer wieder zu weiteren Studierendenbeiträgen motivieren
Sokratisches Lehrgesprächkennzeichnet…
Ein erarbeitendes, fragendes Gespräch, bei dem die Lernenden den Sachverhalt durch gezielte Fragen selbst erfassen, durchdringen, verstehen, anwenden und die Fragen entsprechende Bezüge zum Weiterdenken und Entdecken fördern. Die Lehrenden haben hier eine Art „Geburtshelfer*innenfunktion“ inne.
Wie geht's?
  • Lehrende kennen ihr Lehrthema und versetzen sich in die Perspektive der Lernenden und formulieren, ausgehend von deren Kenntnisse Fragen, die es ihnen ermöglichen, den Sachverhalt selbst zu erarbeiten oder anzuwenden. Sie „verflüssigen“ sozusagen das Wissen
Gefahr?
  • Braucht sehr viel Zeit
  • Studierende werden ungeduldig und erwarten einen Lehrvortrag, bzw. die Lösung
  • Moderations- und Dozierendenrolle geraten durcheinander
Was kann die Moderation tun?
  • Bewusst entscheiden, wo und wozu das Vorgehen eingesetzt werden soll
  • Zu Beginn Bezugsrahmen setzen sowie Zeitrahmen und Nutzen transparent machen
  • Lehrende müssen fachlich fit sein
  • Lehrende sind in der Bezüge herstellenden Moderationsrolle, siehe hier den zugehörigen Artikel