Service Learning – Theorie trifft Praxis

Was ist Service Learning?

Service Learning ist ein Lehr-Lernformat, bei dem Studierende gemeinnützige Praxisprojekte mit externen Partnern umsetzen. In der begleitenden Lehrveranstaltung wird der Bezug zu theoretischem Wissen hergestellt und die Praxiserfahrung reflektiert. Wie geschieht dies? Die Studierenden beschäftigen sich mit curricularen Inhalten. Sie engagieren sich ehrenamtlich. Indem sie etwas für andere tun, entwickeln sie sich in ihrer Persönlichkeit weiter. Schließlich findet eine Reflexion des Gelernten und bürgerschaftlichen Engagements in der Lehrveranstaltung statt (Pertoft/Könekamp 2014, Könekamp 2015).

Die Arbeit mit externen Projektpartner_innen gibt Studierenden die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in der Praxis zu erproben. Durch das didaktische Konzept können Studierenden eine Verbindung zwischen universitärer Theorie und gesellschaftlicher Praxis herzustellen. Damit kann Grundlagenwissen durch systematische Reflexion vertieft werden (Reinders, 2016). Studierende empfinden Service Learning Veranstaltungen zumeist als sehr motivierend, weil sie ihre eigene Wirksamkeit in der Praxis erfahren.

Die praktische Umsetzung als gemeinnützige Projekte ist in fast allen Fächern möglich. So können Architekturstudierende beispielsweise digitale Modelle für Museen gestalten, Studierende im Bauingenieurswesen ein Brunnenbauprojekt in Afrika unterstützen, Lehramtsstudierende Schreibberatungen an Schulen anbieten oder BWL-Studierende ein Fundraisingkonzept für ein Suchthilfeprojekt entwickeln.

Service Learning greift die Theorie des Erfahrungslernens nach Dewey sowie den Lernkreis von Kolb auf. Laut Kolb soll ein besseres Verständnis der Theorie durch persönliche Erfahrung in der Praxis erreicht werden, indem theoretische Erkenntnisse in der Praxis ihre Anwendung finden. Die Reflexion der gemachten Erfahrungen stellt die Brücke zwischen „Service“ und „Learning“ dar (Baltes 2007, 19ff). Die Lernform nimmt Elemente des problem- und handlungsbasierten Lernens auf und verbindet sie mit gemeinnützigen Engagement (Slepcevic-Zach, Gerholz 2015).

Service Learning Veranstaltungen sind in der Organisation für Lehrende etwas aufwändiger als reguläre Lehrveranstaltungen, da die Kommunikation mit Praxispartnern gestaltet werden muss. Jedoch überwiegen die Vorteile der Lehr-/Lernform diesen Nachteil:

  • Die Motivation der Studierenden ist in der Regel sehr hoch. Empirische Untersuchungen zu den Effekten dieses didaktischen Ansatzes heben hervor, dass der Lernerfolg der Studierenden (Hofer, 2007) und die erlebte Selbstwirksamkeit der Studierenden gesteigert wird (Williams, King und Koob, 2002).
  • Studierende, die an einer Veranstaltung mit Service Learning teilgenommen haben, berichten über ein besseres Verständnis der Lerninhalte (Knee, 2002). Ihre Fachkompetenzen entwickeln sich stärker (Pascarella/Terenzini 2005, S. 128 f)).
  • Das soziale Engagement und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung der Studierenden wird gefördert. Gleichzeitig führt Service Learning zu einem Zuwachs an zivilgesellschaftlichen Engagement (Pascarella/Terenzini 2005, S. 193 f).
  • Lehrende habe die Möglichkeit Praxisanwendungen ihrer theoretischen Inhalte zu erproben oder neue Praxispartner-innen für ihre Forschung zu finden.

Lesen Sie dazu die folgende Broschüre:
Pertoft, B, Könekamp, B (2014) Service Learning – Theorie trifft Praxis.

Ein Praxisbeispiel aus dem Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften (Projektseminar „Außerinstitutionelle Lernorte“) durchgeführt von Lennart Bartelheimer können Sie hier nachlesen.

Baltes, A., Hofer M., Slivka, A. (2007) Studierende übernehmen Verantwortung. Service Learning an deutschen Universitäten, Beltz Verlag, Weinheim und Basel

Hofer, M. (2007). Ein neuer Weg in der Hochschuldidaktik: Die Service Learning-Seminare in der Pädagogischen Psychologie an der Universität Mannheim

Knee, R. T. (2002). Can service learning enhance student understanding of social work research? In: Journal of Teaching in Social work, 22(1-2), 213-225

Könekamp, B. (2015) Service Learning – Lernen durch Engagement. In: Augustin, Hohenwater, Salmhofer und Scheer (Hrsg) (2015): Theorie, die ankommt. Universitätsverlag Graz, 77 – 90

Pascarella E./Terenzini P. (2005) How College Affects Students: A Third Decade of Resarch, San Franzcisco: Jossey -Bass

Pertoft, B, Könekamp, B (2014) Service Learning – Theorie trifft Praxis. Ein Leitfaden zu Akademischen Wissen durch Praxiserfahrung, Hochschuldidaktische Arbeitsstelle, TU Darmstadt

Reinders, H. (2010). Lernprozesse durch Service Learning an Universitäten. In: Zeitschrift für Pädagogik,56(4), 531-547

Reinders, H. (2016). Service Learning – Theoretische Überlegungen und empirische Studien zu Lernen durch Engagement, Weinheim, Beltz Juventa

Slepcevic-Zach, P., Gerholz, K. (2015) Service Learning – Entstehung, Wirksamkeit und konkrete Umsetzung. In: Augustin, Hohenwater, Salmhofer und Scheer (Hrsg) (2015) Theorie, die ankommt. Universitätsverlag Graz, S. 61 -76

Williams, N. R., King, M., & Koob, J. J. (2002). Social work students go to camp: The effects of service learning on perceived self-efficacy. In: Journal of Teaching in Social Work,22(3-4), 55-70.