Humor in der Lehre

Wie setze ich wirkungsvoll Humor in der Lehre ein?

„Ich liebe diesen Humor in seiner Vorlesung, es lohnt sich schon allein deshalb hinzugehen.“ Sätze wie diese kann man öfter von Studierenden hören, die sich über Lehrveranstaltungen unterhalten. Offensichtlich mögen Studierende Spaß und Lachen in Lehrveranstaltungen. Aber lenkt Humor nicht eher ab? Macht man sich vielleicht unglaubwürdig als Lehrperson? Wie viel Humor ist angebracht und welche Art von Humor ist kontraproduktiv? Und wie kann man humorvolle Kommunikation gezielt einsetzen, um Lernen zu unterstützen?

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Humor ist die Fähigkeit,

  • für andere amüsant oder komisch zu sein, bzw. sie zum Lachen zu bringen (Lovorn, & Holaway, 2015)
  • auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren (Dudenredaktion, o.J.).

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Humor bringt uns in gute (Lern)Stimmung und hilft über so mache Klippen in Lehrveranstaltungen hinweg. Manchmal reduziert er auch unseren Stress.

In diesem Portal existiert es schon länger ein Artikel über Humor in der Lehre. Diesen haben wir nun um einen Podcast ergänzt. Im Interview äußern Studierende ihre sehr spannenden und persönlichen Eindrücke, wie Humor von Lehrenden sie beeinflusst und in welchen Fällen sie ihn auch mal als unpassend erleben. Nehmen Sie sich 9 Minuten Zeit für die studentische Sicht.

Inhaltsverzeichnis:

00:00 Begrüßung

00:37 Beeinflusst Humor die Lernstimmung?

03:06 Welche Arten von Humor kommen bei den Studierenden besonders gut an?

04:00 Tipp: Auf humoristische Situationen vorbereiten

04:37 Wann ist Humor unangebracht?

05:50 Dosierung von Humor

06:22 Wann ist Humor besonders angebracht?

07:33 Noch ein Tipp

Studierende zum Lachen oder Schmunzeln zu bringen, kann mehrere wichtige Funktionen für Lernen und Motivation haben:

Humor verbessert die Arbeitsatmosphäre in Lehrveranstaltungen, sofern er positiv, also nicht abwertend ist. Eine gute Arbeitsatmosphäre erleichtert wiederum das Lernen (Banas, Dunbar, Rodriguez, & Liu, 2011; Gorham & Christophel, 2008).

Durch Lachen wird Anspannung reduziert (Gorham & Christophel, 2008); Studierende werden dadurch aufnahmefähiger und kreativer.

Eine Lehrveranstaltung wird durch Einsatz von Humor interessanter, daher besuchen Studierende diese Lehrveranstaltungen mehr (Wanzer, 2002).

Die Anstrengungsbereitschaft Studierender für Aufgaben, die die Lehrperson stellt, kann steigen, wenn sie die Lehrperson aufgrund ihrer humorvoller Art mögen (Wanzer, 2002).

Humor ist anregend für Studierende, sodass die Aufmerksamkeit geweckt wird (Wanzer, 2002). Neue Informationen können besser behalten werden, sofern die humorvolle Kommunikation sich auf den Stoff bezogen hat (Banas et al, 2011; Gorham & Christophel, 2008).

Weiterhin zeigen sich in Lehrveranstaltungen bessere Evaluationsergebnisse, wenn Lehrende Humor einsetzen (Bryant, Comisky, Crane & Zillmann, 1980) – außer es handelt sich um Humortypen wie Sarkasmus und abwertenden, aggressiven Humor (Banas et al., 2011). Darüber hinaus nimmt die Sympathie für die Lehrenden zu (Banas et al., 2011), da angemessener Humor die psychologische Distanz zwischen Lehrenden und Studierenden reduziert.

In Prüfungssituationen sollten Lehrende Humor nur unter Vorsicht einsetzen. Zwar können humorvolle Bemerkungen unter Umständen helfen, die Anspannung oder Prüfungsangst zu reduzieren. Jedoch ist die Bereitschaft der Studierenden zur Heiterkeit niedrig und ihre Ernsthaftigkeit hoch ausgeprägt, es fehlt also die richtige Stimmung. Daher fällt es ihnen schwer, Bemerkungen oder Verhaltensweisen humorvoll aufzunehmen: der sogenannte Humorrahmen ist nicht gegeben (Ruch & Zweyer, 2001). Humor von Seiten der Prüfenden kann dann leicht zu Verunsicherung, Irritation oder Stress führen. Studierende, die generell eine hohe Ängstlichkeit haben, ausgelacht zu werden, werden selbst wohlgemeinten Humor negativ interpretieren (Ruch, Hofmann, Platt & Proyer, 2014).

Um Humor in der Lehre förderlich einsetzen zu können, ist es daher wichtig zu wissen, welche Art von Humor günstig und welche Art ungünstig wirkt.

Es folgt eine Übersicht von möglichen Humortypen sowie von deren Angemessenheit in Lehrveranstaltungen.

Bestimmte Humortypen werden von Studierenden sehr positiv erlebt, andere kommen nur unter bestimmten Bedingungen gut an. Es gibt aber auch Humortypen, die nicht positiv von Studierenden erlebt werden, ja, die sogar destruktive Wirkungen haben können.
Humor Typ
Beschreibung Angemessenheit im Lehrkontext
Freundlich, auf Solidarität basierend Andere amüsieren, Solidarität aufbauen, Spannung abbauen Angemessen
Psychologische Bedürfnisse, selbstverstärkend Humor, um sich selbst zu verteidigen (z. B. wenn einem eine Panne oder Peinlichkeit passiert ist); Emotionen regulieren; mit Problemen umgehen, die im Laufe der Interaktion aufgekommen sind Angemessen
Mit dem Lernmaterial assoziierter Humor Geschichten, Witze oder andere humoristische Inhalte, die mit dem Lernmaterial assoziiert sind Angemessen
Lustige Geschichten / Anekdoten Anlässe oder Aktivitäten zusammengefasst in einer Geschichte Angemessen
Humoristische Kommentare Ein kurzes Statement mit einem humoristischen Element Angemessen
Humor bei Anderen suchen Humor in anderen ermuntern oder andere suchen, die bekannt dafür sind lustig zu sein Angemessen
Mit dem Lernmaterial nicht assoziierter Humor Geschichten, Witze oder andere humoristische Inhalte, die nicht mit dem Lernmaterial assoziiert sind Je nach Kontext
Selbstironie Sich selbst zum Ziel des Humors machen Je nach Kontext
Ungeplanter (spontaner) Humor Nicht-intentionaler, spontaner Humor Je nach Kontext
Witze oder Rätsel Spannungsaufbau mit einer Pointe Je nach Kontext
Wortspiele Spielen mit der Mehrdeutigkeit von strukturell oder phonetisch ähnlichen Worten oder mit Worten, die zwei oder mehr Bedeutungen haben Je nach Kontext
Flacher Humor In spezifischen Situation sich dämlich, ungeschickt oder absurd verhalten Je nach Kontext
Nichtverbaler Humor Gesten, lustige Gesichtsausdrücke, Tonfall usw. mit humoristischer Absicht einsetzen Je nach Kontext
Imitationen Ausdruck oder Stimme von berühmten Personen imitieren Je nach Kontext
Sprachspiele Geistreiche oder kluge verbale Kommunikation, einschließlich Slang und Sarkasmus Je nach Kontext
Lachen Lachen in unterschiedlicher Intensität um andere zum Lachen zu bringen Je nach Kontext
Gebrauch von lustigen Requisiten Gebrauch von lustigen Requisiten wie Wasserspritzpistolen, lustige Karten, Clownsnase usw. Je nach Kontext
Bildliche Illustrationen Gebrauch von Bildern, Cartoons oder Gegenständen, die andere zum Lachen bringen sollen Je nach Kontext
Humoristische Übertreibungen/Verzerrungen Gebrauch von ironischen oder komischen Übertreibungen Je nach Kontext
Testaufgaben Aufgaben in Tests, die Humor beinhalten Je nach Kontext
Aggressiv, andere verunglimpfen Andere manipulieren oder verunglimpfen, sich über bestimmte Andere lustig machen, Spotten Unangemessen
Offensiver Humor Humor, der auf Rasse, Ethnie, Geschlecht, politische Zugehörigkeit, sexueller Orientierung basiert Unangemessen
Auf Basis der Arbeit von Banas und Kollegen (2011)

Effektiv für Lernen sind besonders Humortypen, die sich auf den Stoff beziehen. Siehe in der Marginalienspalte Video 1 von Anais.

Zu manchen Themen lassen sich auch gut Cartoons oder Karikaturen finden. Auch Anekdoten, die sich auf den Stoff beziehen, können sehr gewinnbringend sein.

auf Grundlage von Wanzer (2002) und Banas et al. (2011):

Don’ts

  • Machen Sie keine Witze auf Kosten Studierender, schon gar nicht anwesender einzelner Studierender – stellen Sie niemanden bloß!
    Es kann zwar sein, dass Studierende über diese Witze lachen, ja sogar der oder die Betroffene, jedoch fühlen sich diese Studierenden hinterher oft vorgeführt. Aus Angst, ihnen könnte Ähnliches passieren, beteiligen sich Studierende in der Folge insgesamt weniger in der Lehrveranstaltung. Zudem legitimieren Lehrende mit solchem Verhalten aggressiven Humor und wirken somit als schlechtes Vorbild.
    Lachen Sie mit den Studierenden anstatt über sie!
  • Sarkasmus, d. h. spöttisch und höhnische Aussagen, oder Zynismus, also entwertende Aussagen z. B. gegenüber gesellschaftlichen Wertvorstellungen, kommen meist nicht gut an.
  • Übertreiben Sie es nicht. Auch wenn Sie von Natur aus sehr humorvoll sind, sollten Sie Humor dosiert einsetzen, damit Sie nicht zu sehr vom Stoff ablenken. Finden Sie ein mittleres Maß.
  • Verunglückter Humor kommt nicht gut an. Wenn Sie nicht gut im Witze oder lustige Storys erzählen sind, lassen Sie diese Art von Humor lieber weg.

Dos

  • Seien Sie authentisch humorvoll. Versuchen Sie Humor einzusetzen, der Ihnen wirklich entspricht.
  • Stimmen Sie sich auf die Gruppe ein. Was als lustig empfunden wird, hängt sehr von Generation, Gender oder kulturellem Hintergrund ab.
  • Humor, der einen Bezug zum Stoff hat, ist besonders wirksam für das Lernen der Studierenden, da das Erinnern dieses Stoffes in Zusammenhang mit dem Humor leichter ist. Versuchen Sie nach dem Lachen das zu Lernende noch einmal in eigenen Worten zu umschreiben, damit es sicher ins Gedächtnis eingespeichert wird. Humor, der nicht auf den Stoff bezogen ist, kann eine Eisbrecherfunktion haben, Aufmerksamkeit wieder wecken und eine positive Atmosphäre schaffen, aber auch vom Stoff ablenken. Lehrende müssen hier bewusst die Aufmerksamkeit zum Stoff zurückführen, bevor sie weitermachen.
  • Selbstironie kann witzig für Studierende sein und die Lehrperson menschlich erscheinen lassen. Seien Sie jedoch vorsichtig, dass Sie nicht die eigene Glaubwürdigkeit damit untergraben – daher nur einsetzen, wenn man sich sicher ist, als ausreichend kompetent wahrgenommen zu werden.
    Siehe Video 2: Ein Lehrender der Psychologie erzählt eine selbstironische Anekdote aus seinem Leben als Student.
  • Wenn Sie selbst nicht zu den Menschen gehören, die von Natur aus oder spontan humorvoll sind, greifen sie auf Videos, Cartoons, Links oder Hörbeispiele zurück, wenn Sie Humor einbringen wollen.
  • Wenn Sie sich generell nicht in der Lage sehen, Humor einzusetzen, nutzen Sie andere Formen, um direkten Kontakt zu den Studierenden herzustellen, z. B. Lächeln, Lachen, stimmliche Varianz, lebendige Körpersprache. Denn dieses Verhalten kann noch wirksamer für den Lernerfolg von Studierenden sein als Humor.

Kopfstandmethode

Lassen Sie Studierende Problemlösung als Umkehrung formulieren, z. B. „was muss getan werden, damit es schlimmer wird?“ Oder „welche Empfehlungen geben Sie, damit der Konflikt eskaliert?“

Fingierter Handyanruf

Schauspielern Sie, dass ein Kollege oder eine Expertin Sie auf dem Handy anruft und z. B. wissen will, was Sie heute in der Vorlesung behandeln. Bitte Sie die Studierenden um Ruhe wegen der schlechten Verbindung und teilen Sie mit, dass Ihr Kollege wissen will, was Sie heute in der Vorlesung behandeln. Erläutern Sie dann die Gliederung oder die Relevanz der Themen. Umgekehrt können Sie auch Experten anrufen, um nachzufragen, wie etwas in der Praxis eingesetzt wird oder was seine/ihre neuesten Erkenntnisse dazu sind. Um die Erheiterung zu steigern können Sie mit der Fernbedienung des Beamers in der Hand „telefonieren“.

(Die Idee des fingierten Handyanrufs stammt von Professor Dr. Michael Suda, der an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München tätig ist und wurde durch Röbke (2012) in einem Interview publiziert.)

Tabu mit Fachbegriffen – Hörsaalspiel

Die Studierenden werden in zwei Gruppen aufgeteilt und erhalten Begriffe aus dem aktuellen Thema der Vorlesung, die sie der anderen Gruppe erklären sollen. Dabei dürfen sie fünf vorgegebene Tabu-Wörter nicht benutzen.

Beispiel aus der Biologie:

  • Begriff: Zelle
  • Tabu-Wörter: klein, lebend, Organismus, Einheit, mehrere

Eine genaue Beschreibung dieses und weiterer Hörsaalspiele finden Sie unter:
https://wiki.zum.de/wiki/PH_Heidelberg/H%C3%B6rsaalspiele

Schlagzeile des Tages

Lassen Sie Studierende gegen Ende einer Stunde eine Schlagzeile für eine Zeitung (welche darf selbst gewählt werden) über den heutigen Stoff formulieren. Die Schlagzeile darf natürlich auch etwas Witziges hervorheben.

Lassen Sie reihum vorlesen

Wie Sie Ihren eigenen Humor entwickeln können:

  • McGhee, P. (2010). Humor as survival training for a stressed-out world: The 7 humor habits program. Author House.

Banas, J. A., Dunbar, N., Rodriguez, D., & Liu, S. J. (2011). A review of humor in educational settings: Four decades of research. Communication Education, 60(1), 115-144.

Bryant, J., Comisky, P. W., Crane, J. S., & Zillmann, D. (1980). Relationship between college teachers' use of humor in the classroom and students' evaluations of their teachers. Journal of Educational Psychology, 72(4), 511-519.

Gorham, J., & Christophel, D. M. (1990). The relationship of teachers' use of humor in the classroom to immediacy and student learning. Communication education, 39(1), 46-62.

Lovorn, M., & Holaway, C. (2015). Teachers’ perceptions of humour as a classroom teaching, interaction, and management tool. The European Journal of Humour Research, 3(4), 24-35.

Ruch, W., Hofmann, J., Platt, T., & Proyer, R. (2014). The state-of-the art in gelotophobia research: A review and some theoretical extensions. Humor, 27(1), 23-45.

Ruch, W., & Zweyer, K. (2001). Heiterkeit und Humor: Ergebnisse der Forschung. Heiterkeit und Humor im Alter. Chudeck, Bornheim-Sechtem, 9-43.

Röbke, T., (2012) (Zeitartikel http://www.zeit.de/2012/44/Wissensvermittlung-Humor-Professor-Michael-Suda)

Wanzer, M. (2002). Use of Humor in the Classroom. Communication for teachers, 116-126.

Dudenredaktion (o. J.): „Humor“ auf Duden online. (Abrufdatum: 05.02.2021)