Forschungsstand zu HyFlex Lehre

Zweite Seite des Artikels

Um die Frage, wann sich HyFlex Lehre lohnt zu klären, werfen wir zunächst einen Blick auf aktuelle Forschungsergebnisse rund um dieses Lehrformat.

Studien zu Lernerfolg

Einige Studien vergleichen die Leistungen von Studierenden in HyFlex-Settings mit denen von Kontrollgruppen, die an vergleichbaren Präsenzveranstaltungen teilnahmen. Die Ergebnisse zeigen keine signifikanten Unterschiede in schriftlichen Reflexionen, Take-Home-Aufgaben und klassischen Vor-Ort-Prüfungen zwischen den beiden Gruppen (Washuta, 2021; Verrecchia & McGlinchey, 2021; Rhoads, 2020; Magana et al., 2021). Interessanterweise schnitten Studierende, die im HyFlex-Format unterrichtet wurden, in einer Studie von Weathers und McNeely (2021) sogar geringfügig besser ab als ihre Kommilitonen in der traditionellen Präsenzlehre.

Leistungen physisch und online präsenter Studierender

In anderen Studien vergleicht man die Leistungen der Studierenden, die vor Ort an einem HyFlex-Kurs teilnahmen, mit jenen, die online teilnahmen. Auch hier zeigten die meisten Studien keine signifikanten Unterschiede (Raes, 2022; Lavigne, Groman & Price, 2022). Egal, ob synchron, asynchron oder in einer Kombination – Studierende, die an hybriden Kursen teilnahmen, erzielten ähnliche Lernerfolge wie ihre Kommilitonen bei traditionellen Präsenzveranstaltungen (Wilson & Alexander, 2021; Magana et al., 2021).

Keine eindeutige Antwort

Basierend auf diesen Erkenntnissen lässt sich festhalten, dass HyFlex-Lehr-/Lernsettings im Vergleich zur klassischen Präsenzlehre weder besser noch schlechter sind, und für die Studierenden innerhalb dieser Settings kein wesentlicher Unterschied besteht, ob sie vor Ort oder online teilnehmen.

Info: HyFlex genauso gut wie klassische Präsenzlehre

Erkenntnisse aus der Forschung zeigen, dass HyFlex Lehre bei Studierenden zu einem geringfügig höheren Lernerfolg führt.

Studien zu Zufriedenheit

In Bezug auf die Zufriedenheit der Studierenden mit HyFlex-Lehr-/Lernsettings zeigt sich ein großteils ähnliches Bild: So zeigen Studienergebnisse von Rhoads (2020) oder Verrechia und McGlinchey (2021), dass die Zufriedenheit der Studierenden in hybriden Settings vergleichbar ist mit der in reinen Präsenzveranstaltungen. Auch Yang, Yu und Chen (2019) konnten ebenfalls keinen Unterschied in der Zufriedenheit zwischen den Lernenden innerhalb der hybriden Settings feststellen.

Gründe für Zufriedenheit

Dennoch heben Studierende bei HyFlex-Lehr-/Lernsettings insbesondere die Flexibilität, Differenzierung und die Berücksichtigung individueller Präferenzen seitens der Lehrenden als spezielle Gründe für ihre Zufriedenheit hervor, die in reinen Präsenzveranstaltungen nicht in diesem Ausmaß zum Tragen kommen (Abdelmalak, 2016; Han et al., 2022; Kohnke & Moorhouse, 2021; Wilson & Alexander, 2021). Und diese Zufriedenheit wiederum spiegelt sich in höheren Mitarbeits- und Abschlussquoten in den hybriden Settings wider (Han et al., 2022; Rhoads, 2020).

Info: Hohe Zufriedenheit in HyFlex Veranstaltungen

HyFlex Lehre bietet mehr Chancen für Flexibilität, Differenzierung und die Berücksichtigung individueller Präferenzen und sorgt damit für eine höhere Zufriedenheit.

Lohnt sich der Mehraufwand?

Oftmals wird bei HyFlex Lehre von einem hohen Mehraufwand auf Seiten der Lehrenden gesprochen. Dies mag bei der Ersterstellung der Lernumgebung auch zutreffen. Ab der zweiten Durchführung müssen jedoch nur noch Anpassungen durchgeführt werden, die auch in der regulären Lehre anfällt.

Mehraufwand lohnt sich

Damit sich HyFlex also insbesondere lohnt, sollten Lehrende sich im Klaren sein, wenn eine Lehrveranstaltung mehrfach gehalten wird, sowie Inhalte und Aufgaben über längere Zeiträume stabil bleiben. Auch wenn viele Studierende profitieren, ist der Aufwand gerechtfertigt. Wenn die Entwicklungsarbeit über ein Team verteilt werden kann, bleibt der Aufwand für einzelne Mitarbeitende überschaubar. Angesichts der Chancen für Diversitätsgerechtigkeit, Anwesenheits-, Mitarbeits- und Abschlussquoten erweist sich die Umstellung einer Lehrveranstaltung unter diesen Umständen als vorteilhaft.

Info: Lehre mit HyFlex lohnt sich bei wiederholter Durchführung

Neben erhöhter Diversitätsgerechtigkeit, Anwesenheits-, Mitarbeits- und Abschlussquote ist der Einsatz von HyFlex Lehre bei mehrfach gehaltenen Lehrveranstaltungen und stabilen Inhalten sinnvoll.

Mehr Tipps für eine gute und effiziente Lehre gibt es hier

HyFlex-Lehre kann richtig gut funktionieren

Nachdem wir uns mit den Forschungsergebnissen zum Lernerfolg und der Zufriedenheit der Studierenden auseinandergesetzt haben, werfen wir nun einen Blick auf die wesentlichen Gelingensbedingungen für die Umsetzung von HyFlex-Lehre.

Zusammenarbeit Studierender

Die Studien von Lakhal, Mukamurera, Bédard, Heilporn und Chauret (2021) betonen neben der notwendigen „guten“ Technologie sowohl auf Seiten der Lehrenden als auch der Hochschulen und Universitäten die Bedeutung der Unterstützung und Förderung der Zusammenarbeit zwischen Online- und Vor-Ort-Studierenden durch den geschickten Einsatz digitaler Tools als zentrale Gelingensbedingung für HyFlex-Lehre. Unterschiedliche Tools zur Zusammenarbeit finden Sie hier beim Bereich E-Learning der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle.

Funktionen kollaborativer Tools nutzen

Um die Online-Studierenden sichtbar zu machen, empfehlen Heilporn und Lakhal (2021), Kohnke und Moorhouse (2021), Raes (2022) sowie Zhong, Wang, Lv, Xu und Zhang (2022) die vielfältigen Funktionen von Videokonferenzsoftware und anderen digitalen Tools zur Kollaboration und Interaktion. Dazu gehören Tools wie Abstimmungen, Wortwolken, Gruppenräume und Chats. Der Einsatz dieser Tools trägt nicht nur zu verbesserten Lernerfahrungen bei, sondern fördert auch ein Gefühl der Zusammenarbeit zwischen den Online- und Vor-Ort-Studierenden (Kohnke & Moorhouse, 2021). Wie Studierende zur kollaborativen Arbeit angeregt werden können, lesen Sie hier.

Lernmanagementsysteme

Besonders empfohlen werden auch Lernmanagementsysteme, in denen Lehrende Materialien einfach hochladen können, Feedback zu den Arbeiten der Studierenden geben und die Kommunikation untereinander über Foren, Blogs, Wikis oder eingebaute Messaging-Funktionen unterstützen können (Kohnke & Moorhouse, 2021). Wie Sie das Lernmanagementsystem Moodle in die Lehre integrieren können, lesen Sie hier.

Didaktische Strukturierung

Eine weitere entscheidende Gelingensbedingung ist die klare didaktische Strukturierung der hybriden Lehre durch die Lehrenden (Zhong et al., 2022; Raes, 2022; Lakhal et al., 2021; Heilporn & Lakhal, 2021). Transparenz hinsichtlich der Vor- und Nachteile für Online- und Vor-Ort-Teilnehmer*innen ist ebenfalls von großer Bedeutung, da das Lernerlebnis für beide Gruppen nicht identisch ist (Zhong et al., 2022).

Fähigkeit zur Selbstregulation

Ein weiterer Aspekt, den Zhong et al. (2022) betonen, ist die Fähigkeit der Studierenden zur Selbstregulation. Lehrende sollten dies berücksichtigen und gegebenenfalls fördern, um den Erfolg der hybriden Lehre sicherzustellen. Hier lesen Sie Möglichkeiten zur Förderung von Selbstregulation.

Wahlmöglichkeit der Lernenden

Zudem ist die freie Wahlmöglichkeit für die Lernenden entscheidend, wie Heilporn und Lakhal (2021) betonen. Nur wenn die Studierenden selbst entscheiden können, wie sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten, kommen die größten Vorteile des HyFlex-Formats zum Tragen. Fehlt diese Wahlmöglichkeit, treten die Herausforderungen deutlich zutage und werden weniger akzeptiert.

Info: Lehre mit HyFlex lohnt sich bei wiederholter Durchführung

Neben erhöhter Diversitätsgerechtigkeit, Anwesenheits-, Mitarbeits- und Abschlussquote ist der Einsatz von HyFlex Lehre bei mehrfach gehaltenen Lehrveranstaltungen und stabilen Inhalten sinnvoll.