Didaktisches Planungskonzept – MOMBI

Didaktisches Planungskonzept – MOMBI

Woran kann man sich orientieren, will man Lehre so planen, dass Studierende möglichst gut lernen können? Das Modell modell-basierter Instruktion (MOMBI) bietet eine Strukturierung an, die sich am Lernprozess der Studierenden orientiert und konkrete Lehrschritte vorschlägt, um diesen Lernprozess effektiv anzuregen.

Ähnlich wie die Vorstellung handlungsleitender subjektiver Theorien (vgl. Sandwich-Prinzip) geht auch das „modell-basierte Lernen“ davon aus, dass die Lernenden individuelle Wissenskonstrukte oder Handlungsmuster als Grundlage für ihr Handlungspotential bilden. Lernen wird hiernach als aktiver Konstruktionsprozess verstanden, bei dem die Lernenden aktiv ihre kognitiven Strukturen neu anordnen oder aufbauen (vgl. Hanke/ Winandy 2014, 7; zur grundlegenden konstruktivistischen Erkenntnistheorie vgl. Glasersfeld 1997). Ein mentales Modell wird demnach konstruiert, um eine neue Information oder neue Situation für sich selbst verständlich zu machen, um damit umgehen zu können oder um darauf reagieren zu können. Jede/r Lernende bewertet seine/ihre mentalen Modelle danach, ob sie die Welt plausibel machen und ob sie nützlich sind (vgl. Seel 1991; zit. nach Hanke S. 7), bzw. in der Sprache der Konstruktivisten ob sie „viabel“ (Glasersfeld) sind.

In dem Modell modell-basierter Instruktion (MOMBI) schlagen die Autor_innen fünf Lehrschritte vor, die den konstruktivistischen Lernprozess möglichst gut unterstützen. MOMBI bietet eine Strukturierung für die eigene Lehrplanung an, die übersichtlich ist und leicht auf Lehrsituationen in unterschiedlichen Fachdisziplinen angewendet werden kann (vgl. zum Folgenden Hanke/Winandy 2014, 8ff):

Abbildung: Seyfarth und Ries auf Basis von Hanke/Winandy (2014)
Abbildung: Seyfarth und Ries auf Basis von Hanke/Winandy (2014)

Hanke und Winandy (2014) betonen, dass zunächst ein mentales Ungleichgewicht beim Lernenden ausgelöst werden muss, um die Neubildung der eigenen Wissenskonstrukte und Handlungsmuster anzuregen (Lehrschritt Provozieren). Nötig ist, dass der/die Lernende mit einem für ihn/sie relevanten Problem oder Fall konfrontiert wird, um die Motivation für den Lernprozess zu wecken. Als nächstes gilt es, das Vorwissen der Lernenden anzusprechen (Lehrschritt Aktivieren). Die Autorinnen gehen davon aus, dass so die Vernetzung mit bestehenden Wissensstrukturen und Handlungskonzepten gefördert wird und die personalisierte Verarbeitung neuer Informationen vorbereitet wird. Die universitäre Lehre hat den Anspruch, wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse zu vermitteln, weswegen das Vorwissen der Studierenden in der Regel nicht ausreichen kann, um das eingeführte Problem zufriedenstellend zu lösen. Es ist daher notwendig, zu erklären, welche Lösungen die Wissenschaft anbietet, um das eingeführte Problem zu bearbeiten (Lehrschritt Informieren). Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse von den Studierenden für die Lösung des Problems als zufriedenstellend bewertet werden, also plausibel erscheinen, werden diese in eigene mentale Modelle überführt. Dieser Integrationsprozess erfordert Unterstützung vonseiten des Lehrenden (Lehrschritt Unterstützung). Z. B. gilt es sicherzustellen, dass die Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse korrekt verläuft und keine falschen mentalen Modelle (Fehlkonzepte) konstruiert werden. Im Wesentlichen geht es in diesem Lehrschritt darum, die impliziten Annahmen der Studierenden explizit zu machen, um z. B. in Diskussionen Unstimmigkeiten oder Lücken bewusst zu machen. Neu konstruierte mentale Modelle konkurrieren mit den länger bereits existierenden Wissens- oder Handlungsroutinen und müssen daher gefestigt werden (Lehrschritt Festigen). Das bedeutet, dass Gelegenheit zur regelmäßig Wiederholung oder Anwendung gegeben werden sollte.

Quellen

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