Einstieg in die Sprechstundengestaltung

Wie müssen Sprechstunden gestaltet werden, damit ich effizient bin und Studierende profitieren?

Sprechstunden haben an Hochschulen ihren festen Platz und sind eine der wenigen Möglichkeiten, wo sich Studierende individuell mit Fragen und Anliegen an Lehrende wenden können. Sie sind häufig eng verbunden mit Lehrveranstaltungen und neben organisatorischen Anliegen haben sie oft auch betreuenden Charakter (z. B. in Bezug auf Hausarbeiten, Abschlussarbeiten oder Projekte). Überwiegend werden in Sprechstunden fachliche Fragen behandelt, bisweilen bringen Studierende aber auch Problemsituationen ein, die eher persönlicher oder sozialer Natur sind. Diese sind für Lehrende eine besondere Herausforderung, in denen sie sich ihrer Rolle und Aufgabe bewusst sein und die Grenzen in der Beratung einschätzen können müssen.

Sprechstunden werden sehr unterschiedlich organisiert. So gibt es in manchen Fachbereichen einmal die Woche regelmäßige Sprechstunden, wo sich die Studierenden spontan vor der Tür des Lehrenden einfinden und hoffen, dass die anberaumte Zeit für alle Anwesenden und Anliegen reicht. Bei ausführlicheren Beratungsanliegen können Studierende auch individuelle Termine zur Sprechstunde vereinbaren, um beispielsweise komplexere Anliegen zu klären. Wieder andere Fachbereiche haben gar keine Sprechstundenzeiten, sondern lassen die Bürotüren für Studierende immer offen, so dass die Gespräche bzw. Beratungen im täglichen Arbeitsverlauf integriert sind. Diese Niedrigschwelligkeit stört einerseits manchmal die Arbeitsprozesse der Mitarbeiter_innen, ermöglicht es aber andererseits den Studierenden auch einmal kurzfristig ein Anliegen zu klären oder ihre Terminkoordination im Studium leichter zu bewältigen.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von informellen Beratungs- bzw. Gesprächssituationen, die ad hoc entstehen, etwa am Ende der Lehrveranstaltung, auf dem Flur oder in der Mensa. Zudem hat in den letzten Jahren die Kommunikation per E-Mail zugenommen, so dass sich zunehmend auch Fragen der E-Mail-Beratung stellen.

Sprechstunden zeichnen sich durch die Vielfalt der Fragen und Anliegen aus, die von organisatorischen Themen wie Unterschriften einholen, fachlicher Beratung zu Lehrveranstaltungen, Besprechungen von Referaten oder Hausarbeiten bis hin zu Problemen und Krisen persönlicher Natur und/oder in studentischen Projektgruppen reichen können (vgl. Meer 2003, Thomann/Pawelleck 2013).

Allen Gesprächen ist gleich, dass nach einer angemessenen Einstiegssituation die Ziele und Anliegen der Studierenden klar herausgearbeitet sein müssen, damit entschieden werden kann, ob der/die Lehrende der/die richtige Ansprechpartner_in für diese Frage ist und wie mit dem Anliegen dann weiter umgegangen wird. Dabei kann es bei der Anliegensbearbeitung um Informieren, Anleiten, Beraten oder Delegieren (z. B. zur Schreibberatung oder einer Psychologischen Beratungsstelle) gehen. Beim Ausstieg ist sicherzustellen, dass die Informationen angekommen sind und die Studierenden klare Ziele darüber haben, was sie nach der Sprechstunde tun werden. Insofern gilt für Sprechstunden das gleiche Prinzip wie bei der kompetenzorientierten Lehre: befähigen anstatt zu belehren. Dass die Gefahr des „Belehrens“ gegeben ist, lässt sich sehr eindrücklich bei Meer (2003) nachvollziehen. Sie stellt in ihren Untersuchungen zur Sprechstundenkommunikation fest, dass Lehrende in Sprechstunden tendenziell zu viel reden, also in die Dozierendenrolle fallen.

Meer, D. (2003): „Wollen sie auch eine Bescheinigung?“ – Probleme und Verhaltensmöglichkeiten in hochschulischen Sprechstundengesprächen. In: Berendt, B. / Voss, H.-P. / Wildt, J. (Hrsg): Neues Handbuch Hochschullehre. Bonn, F2.3.

Thomann, G./ Pawelleck, A. (2013): Studierende beraten. Opladen: Toronto.