Sprechstunden als Teil der Lehrtätigkeit

Sprechstunden als Teil der Lehrtätigkeit

Sprechstunden zwischen Beratung und Betreuung

Anlässe zur Beratung entstehen in Studium und Lehre häufig lehrveranstaltungsbezogen, wenn etwa Referate oder Hausarbeiten vor- oder nachbesprochen bzw. Abschlussarbeiten begleitet werden. Von daher können Sprechstunden sowohl eine punktuelle Beratung als auch eine längerfristige Begleitung bzw. Betreuung beinhalten.

Beratung an Hochschulen unterscheidet sich grundlegend von einer klassischen Beratung, wie sie etwa im psychologischen Bereich oder im Coaching in der Industrie vorkommt. Dort nimmt der/die Beratende eher eine neutrale Haltung ein und unterstützt die Klient_innen vor allem durch Prozessbegleitung und Fragen darin, eigene Lösungen und Entscheidungen zu entwickeln. Beratung arbeitet vor allem mit dem Prinzip der Freiwilligkeit. Klient_innen kommen aus eigenem Antrieb, weil sie ein Problem lösen oder Ziel erreichen wollen und dafür Klärungshilfe und Unterstützung suchen.

Beratungssettings an Hochschulen hingegen werden auch geprägt durch die Hierarchie zwischen Lehrenden und Studierenden, die Prüfungssituation, die Notengebung, dem fachlichem Wissen und den Lernzielen, die Lehrende in die Beratung als fachlichen Input mit einfließen lassen. Von daher gibt es einen hohen Anteil an Fach/bzw. Expertenberatung, die der didaktischen Aufgabe des Vermittelns bzw. Erklärens sehr nahe ist. Dennoch können Ansätze und Methoden aus der klassischen Beratung auch für die Arbeit mit Studierenden hilfreich sein.

Beratung an Hochschulen befindet sich immer im Spagat zwischen Fach/Expert_innenberatung und Prozessberatung. Studierende brauchen einerseits Informationen und Anleitungen, wenn sie noch nicht weit genug sind und sollen andererseits befähigt werden, selbst auf Lösungen zu kommen.

Im Kontext der Hochschule unterscheiden Thomann/Pawelleck (2013, S. 32 f.) Beraten als punktuelle, einmalige Situation und Begleiten als längerfristige Betreuung, etwa bei Abschlussarbeiten. Sie verstehen Begleitung auch als zurückhaltende Führung mit integriertem Beratungsanteil.

  • Begleitung/Betreuung findet üblicherweise über einen längeren Zeitraum statt, während eine Beratung auch einmalig sein kann.
  • Begleitung/Betreuung kann auch in einer Gruppe stattfinden, etwa durch Veranstaltungen wie Kolloquien während des Forschungsprozesses, während Beratung üblicherweise den Lehrenden und einen Studierenden umfasst.
  • Begleitung/Betreuung kann auch Leitung, Anleitung und Kontrolle beinhalten, während Beratung eher dialogisch ist, im Sinne einer Face-to-Face-Orientierung.

Weitere Hinweise zum Thema Betreuung finden sich hier.

Gesprächsführung/Beratungsstrategien

Kontraktmanagement bei längerfristigen Beratungsprozessen

Rolle von Lehrenden in der Beratung

Quellen

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