Definition

Was ist schreibintensiv lehren (und lernen)?

Schreibintensiv lehren (und lernen) bedeutet, das Schreiben in den Fachwissenschaften als Vehikel für Lernprozesse bei den Studierenden zu nutzen. Dabei wird neben der Vermittlung von Fachinhalten und -methoden das wissenschaftliche Schreiben von Studierenden bewusst und explizit als erkenntnisgewinnendes und erkenntnisverarbeitendes Instrument verstanden und in der Lehre eingesetzt.

Durch schreibintensive Lehre (und Lernen) setzen sich Studierende mit dem jeweiligen fachlichen Inhalt auseinander, indem sie fachliche Texte intensiv und kritisch lesen und erste fachliche Texte selbst verfassen. Sie erwerben auf diese Weise vertieftes Fachwissen und erkennen fachliche Zusammenhänge, indem sie wissenschaftliche Texte genau und kritisch zu lesen. Durch die Aufforderung, eigene Texte zu verfassen, in dem dieses Wissen verarbeitet und in einem bestimmten Zusammenhang adressatenorientiert neu strukturiert und wieder gegeben werden soll, erwerben Studierende auch – quasi nebenbei und zugleich intracurricular – zentrale Kompetenzen des wissenschaftlichen Schreibens.

Zitat der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung zu „schreibintensiver Lehre“:

„Schreibintensive Lehre fördert durch gezielte Schreibaktivitäten zugleich fachliches Lernen und den Aufbau von Schreibkompetenz. Die Schreibaktivitäten können nach Umfang und Inhalt unterschiedlich gestaltet sein. Das Repertoire umfasst:

  • kleinere Schreibaktivitäten im Seminar (z.B. Freewriting),
  • Texte, die zwischen den Sitzungen einer Veranstaltung geschrieben werden,
  • umfangreiche Texte, die sich an die bisherigen traditionellen studentischen Textsorten (z.B. Hausarbeit) anlehnen können.

Anders als diese werden Schreibaufgaben in der schreibintensiven Lehre aber als „Expert Insider Prose“ (John Bean) vermittelt, d.h. Lehrende explizieren den Bezug zum Denken und Handeln im Fach oder in einem Berufsfeld.“

Aktuelle Entwicklungen und theoretische Hintergründe

In den letzten Jahren wurden schreibdidaktische Angebote an deutschsprachigen Hochschulen zunehmend entwickelt. Diese sollen und wollen Studierende dabei unterstützen, ihre Schreibkompetenz zu entwickeln und sie tun dies in der Regel durch die Unterstützung von studentischen Schreibprojekten in den Formaten Beratung, Peertutoring, Kursen. Diese schreibdidaktischen Angebote sind in der Regel extracurricular an den Hochschulen verankert, d.h. als zentrales Angebot einer Hochschule; manchmal sind sie an einer anderen zentralen Einrichtung angegliedert (z. B des Sprachenzentrums oder Schlüsselkompetenzen oder eines Career Services).

Neben der Ausweitung der extracurricularen Angebote zu Schreibberatung und Schreibdidaktik hat sich in den letzten Jahren international wie national die Idee der „schreibintensiven Lehre“ entwickelt. Damit soll – und das ist unter schreibintensiver Lehre zu verstehen – der Erwerb des wissenschaftlichen fachlichen Schreibens in der jeweiligen Fachlehre stattfinden, also intracurricular, da Fachtexte disziplinenabhängig sind. Extracurriculare Angebote können – so an der Hochschule vorhanden – dabei Unterstützung leisten in Form von Beratung und Qualifizierung nicht nur von Studierenden (Peertutoring), sondern auch von Lehrenden sowie durch die Bereitstellung von Materialien etc.