Prävention und Intervention: Handlungsmöglichkeiten für Lehrende im Umgang mit Sexismus

Prävention und Intervention: Handlungsmöglichkeiten für Lehrende im Umgang mit Sexismus

Es gibt mehrere Ansatzpunkte, um für die Thematik innerhalb der Lehre (und im Arbeitsalltag) zu sensibilisieren. In der didaktischen Planung, Durchführung und Reflexion der eigenen Lehre können die Themen kritisch mitgedacht werden, um präventiv eine klare Grundhaltung und diskriminierungssensible Kommunikationskultur zu entwickeln, auf die auch in akuten Situationen zurückgegriffen werden kann. Außerdem ist es möglich (und auch notwendig) an direkten Situationen Handlungsoptionen und weiterführende Möglichkeiten aufzuzeigen. Diese Ansätze werden in diesem Abschnitt erläutert. Außerdem finden Sie hier einen Podcast zu dem Thema, der bei einem Didaktiklunch im Februar 2020 entstanden ist:

„So was kommt bei uns nicht vor – Umgang mit Alltagssexismus in Lehrsituation“

Zum Podcast… (53 Minuten)

Präventive Maßnahmen:

Planung von Lehre:

Durchführung der Lehre:

Reflexion der eigenen Lehre:

Direkte Handlungsmöglichkeiten für akute Situationen:

Spezifische Handlungsmöglichkeiten für Lehrende am Beispiel drei videobasierter Situationen:

Als Beispiel für mögliche herausfordernde Situationen in der Lehre dient dieses Sensibilisierungsvideo der TU Darmstadt:

Warnung! In diesem Video wird übergriffiges Verhalten in universitären Räumen gezeigt. Wenn Sie diese Bilder nicht sehen möchten oder Sie nach dem Video feststellen, dass persönliche Erfahrungen wieder hochkommen, wenden Sie sich bitte an vertraute Personen und sprechen Sie darüber. Die Beratungsstellen der Universität sind für Sie erreichbar (siehe weitere Informationen):

Situation 1: Einer Studentin wird in der Vorlesung nachgepfiffen und sie wird ungefragt fotografiert

  • Zu Beginn des Semesters darauf hinweisen, dass alle Materialien online zugänglich sind und Fotografieren/ Filmen während der Veranstaltung nicht erlaubt ist.
  • Wenn das Fotografieren bemerkt wird, auf die Regeln verweisen und auf das Persönlichkeitsrecht am eigenen Bild.
  • Situation dazu nutzen dieses Thema in der Veranstaltung zu besprechen (z.B. mit der Richtlinie der TU Darmstadt https://www.intern.tu-darmstadt.de/media/wegweiser_medien/media_achtung/achtung_dok/Richtlinie_final_webversion.pdf).
  • Je nach Einschätzung der Situation das Pfeifen ansprechen oder im Anschluss an die Veranstaltung das Gespräch suchen. Einerseits mit dem Studenten, um ihn klar darauf hinzuweisen, dass dieses Verhalten nicht geduldet wird und anderseits die Studentin ansprechen und fragen wie es ihr geht. Erklären, warum nicht direkt gehandelt wurde und nachfragen, welches Vorgehen für Sie hilfreich ist.

Situation 2: Ein Student fasst eine Studentin unaufgefordert an, um sich an ihr vorbei zu schieben

  • Zu Veranstaltungsbeginn Regeln für gemeinsamen, respektvollen Umgang aufstellen
  • Gespräche mit den Beteiligten führen, auf Konsequenzen verweisen, diese Handlung klar als sexuelle Belästigung und Grenzüberschreitung benennen und erklären, dass ein unaufgefordertes Berühren des Körpers übergriffig ist und nicht geduldet wird
  • Auf die Anlaufstellen der Uni hinweisen und selbst Beratungen in Anspruch nehmen, um für die Situation Lösungen zu entwickeln

Situation 3: Eine Tutorin berührt einen Studenten an Schulter und Rumpf und beugt sich über ihn.

In dieser Situation sind Sie als Lehrende nicht unbedingt anwesend, Sie könnten aber davon z.B. in einem Rückmeldegespräch erfahren, dies in einer Hospitation beobachten oder der Betroffene sucht Rat bei Ihnen, auch dann ist ein Handeln noch möglich:

  • Die Grundregel Keinen Körperkontakt zwischen Lehrenden und Lernenden einhalten und transparent mit allen Personen (Studierende, Tutor_innen, Kolleg_innen) kommunizieren
  • Das Gespräch mit Beteiligten suchen, getrennt voneinander
  • Situation über Rekonstruktion versuchen nachzuvollziehen und Lösungsstrategien mit den Beteiligten erarbeiten, z.B. Regeln für das Tutorium
  • Diese Situation den Anlaufstellen an der Universität melden
  • Unterstützung bei Anlaufstellen einholen

Sexistische Sprache- Belästigungen und anzügliche Witze

Literatur und Links:

Jetzt weiterlesen: Lehrende als Multiplikator_innen- Seminareinheit zu Sensibilisierung von Studierenden