Prüfen im forschungsnahen und Forschenden Lernen und Lehren

Welche theoretischen Konzepte zur Entwicklung von Kompetenzen eröffnet Forschendes Lernen noch?

Standardformate wie Klausuren, Hausarbeiten oder mündliche Prüfungen sind nicht automatisch geeignet, um Ergebnisse Forschenden oder forschungsnahen Lernens abzubilden. Einige gute grundsätzliche Überlegungen zu diesem Thema stellt Reinmann (2017) an.

Auch Reinmann unterscheidet die verschiedenen Formen forschungsnahen Lehrens und Lernens nach Aktivitätsgrad der Studierenden und nach drei Zielen:

  • (1) Forschung verstehen lernen,
  • (2) Forschung üben und
  • (3) selber forschen.

Für das Prüfen schlägt sie entsprechend

  • für (1) Prüfungsformen vor, die Wissen über Forschung erheben,
  • für (2) sind alle Prüfungsformen möglich, entscheidend ist das Feedback.
  • Für (3) sind Prüfungsformen geeignet, die das Können der Studierenden in der Forschung erheben. Dies kann etwa die Visualisierung eines Forschungsdesigns, eine Datenauswertung, ein Projektbericht oder die Produktion eines Fachartikels sein.

Abbildung 1 verdeutlicht diesen Zusammenhang.

Je nachdem welches Lernziel die Lehrveranstaltung anstrebt, sollte die Prüfungsform im Sinne des „Constructive Alignment“ an die Lernziele angepasst werden, weil Studierende vor allem das lernen, was geprüft wird. Eine Klausur mit Wissensfragen wäre also völlig ungeeignet um einen eigenen Forschungsprozess abzuschließen. Gegebenenfalls muss dementsprechend bei Forschendem Lernen die Modulbeschreibung geändert werden, um Forschungsergebnisse sinnvoll bewerten zu können.

Die folgende Tabelle von Reinmann (2017) vermittelt einige Ideen für Prüfungsformen, die im Forschenden Lernen und forschungsnahen Lehren genutzt werden können. Diese Ideen können als Inspirationsquelle genutzt werden.

Befragung Einzelgespräch auf Basis eines Thesenpapiers
Gruppengespräch zu vorgegebenen Themen
Gespräch zu mitgebrachten Artefakten
Videokonferenzgespräch
Gruppengespräch zum eigenen Projekt
Fallstudiengespräch
Vortrag Einzelreferat mit Thesenpapier
Gruppenpräsentation zum eigenen Projekt
Präsentation zu einem Poster
Vortrag in einer Audio-/ Video-Konferenz
Aufgenommenes Referat (Audio, Video)
Adhoc-Referat im Zweierteam
Klausur Multiple Choice-Klausur
Klausur mit offenen Fragen
Open Book-Klausur
E-Klausur mit multimedialen Anwendungsaufgaben
Erörterung mit Auswahlmöglichkeit vorgegebener Themen
Hausarbeit Einzelarbeit zu selbst gewähltem Thema
Teamarbeit zu vorgegebenem Thema
Essay ohne Verwendung von Literatur
Buch- oder Artikel- Review
Kollaborative Hausarbeit mit Hilfe eines Wikis
Sammlung und Reflexion eigener Texte (Portfolio)
Demonstration Rollenspiel zu einem Thema
Zeigen einer Fertigkeit (auch im Video)
Simulation oder Planspiel
Teilnahme an Kongress als Referent_in
Moderation einer wissenschaftlichen Diskussion
Ausführung einer Aufgabe im Feld
Produktion Artikel für ein Fach-Journal
Eigener Wikipedia-Eintrag
Medienprodukte (Audio, Video) für ein Fachpublikum
Entwicklung von Forschungsinstrumenten
Sammlung von Artefakten aus einem Forschungsprozess (Portfolio)

Zu beachten ist, dass Vortrag und Hausarbeit einerseits für Prüfen über Forschung genutzt werden können – zum Beispiel wenn fremde Forschungsergebnisse dargestellt werden. Andererseits können Vortrag und Hausarbeit auch als Prüfungsform in Forschung genutzt werden – etwa wenn eigene Forschungsergebnisse dargestellt werden. Hausarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten können auch zu einer Publikation der Studierenden weiterentwickelt werden.

Reinmann, G. (2015). Prüfungen und Forschendes Lernen. In Mieg, H. A. & Lehmann, J. (2015). Forschendes Lernen: Programmatik und Praxis (S. 115-128). Frankfurt am Main: Campus Verlag.