Moderationssettings

Moderationssettings, die gerade auch in Hochschulen für die Lehre von Bedeutung sein können, sind: Workshop, Tagung, Besprechung, Projekt, Lehrgespräch und Diskussion.

Workshops werden zu verschiedenen Themen im Rahmen von Aus-/Fortbildung und Erwachsenenbildung angeboten und gehen zumeist von einer hohen Teilnehmerorientierung aus. Das heißt, die Gruppe hat einen hohen Bezug zum Thema und ein gewisses Grundwissen oder eine Erfahrung, die im Rahmen von Moderationen etwa durch Metaplankartenabfragen, erhoben und eingebunden werden. Bereits hier zeigt sich eine gewisse Rollenvielfalt für die Workshopleitung. Es gilt die Gruppe zum Arbeiten zu bringen, einen gemeinsamen Bezugsrahmen herzustellen, Input- und Arbeitsphasen miteinander zu verknüpfen und sich phasenweise als Expert_innen und oder Moderierende mehr auf die fachliche Steuerung oder als Moderator_in die Prozess-Steuerung zu fokussieren.

Workshops in der Lehre sind häufig im Bereich außerfachlicher Kompetenzen wie Soft Skills, Lernstrategien oder Zeitmanagement zu finden.

Abb.1: Eigene Darstellung von Eva Schumacher | Workshop

Bei Tagungen sind ebenfalls unterschiedliche Vorgehensweisen im Rahmen der Moderation zu beobachten. Insbesondere bei Podiumsdiskussionen gibt es den Ansatz der „Beitragsorganisation“. Hier stellen Moderierende weniger Bezüge zwischen den Beiträgen her, sondern sorgen dafür, dass alle – möglichst gleichberechtigt und auf faire Art und Weise – miteinander diskutieren. Eine andere Art der Moderation zeichnet sich durch eine gewisse inhaltliche Schwerpunktsetzung aus, wenn etwa bereits bei der Vorstellung der Podiumsteilnehmenden auf unterschiedliche Standpunkte verwiesen wird oder z. B. mit gezielten Provokationen eine intensive Auseinandersetzung angeregt werden soll.

Einige Lehrende nutzen die Methoden „Tagungssimulation“ als aktivierende Lehrform, um an Ende des Semesters alle Referate oder Beiträge nochmals zusammenzuführen. Dabei können, ebenso wie auf echten Tagungen, Posterpräsentationen oder die Einbeziehung der (Hochschul-)Öffentlichkeit integriert werden. Je nach Konzept übernehmen Studierende sogar selbst die Rolle der Tagungsorganisation und Moderation.

Abb.2: Eigene Darstellung von Eva Schumacher | Tagung

Besprechungen oder „Jours fixe“, sind regelmäßige Treffen in einer Abteilung, bei denen aktuelle Themen (Tops) miteinander besprochen, diskutiert oder aktuelle Entscheidungen mitgeteilt werden. Besprechungsmoderation kann auch hier eine Herausforderung darstellen, wenn Kolleg_innen oder Vorgesetze die Besprechung leiten und dabei die neutrale Moderationsaufgabe mit eigenen Meinungen und Kommentaren vermischen. Darüber hinaus gilt es in Besprechungen zu klären, an welcher Stelle wirklich eine Diskussion und Gruppenentscheidung erwünscht und möglich ist.

In der Lehre finden Besprechungen mit Studierenden am häufigsten in Sprechstunden statt, wenn es etwa um Vorbesprechungen oder Feedback zu Referaten, Projekten oder Hausarbeiten geht. Auch hier braucht es eine gute Balance zwischen fachlichen Impulsen (mit der Gefahr zu dozieren) und einer fragend-moderierenden, also aktivierenden Haltung, um Studierende zur Selbstbefähigung zu ermutigen bzw. anzuleiten.

Abb. 3: Eigene Darstellung von Eva Schumacher | Besprechung

Projektsitzungen finden in Teams statt, die für einen gewissen Zeitraum gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Hier können Besprechungen und Projektsitzungen manchmal auch kollegialen oder informellen Arbeitscharakter haben, da man im laufenden Arbeitsprozess Probleme oder nächste Schritte klärt. In Projekten werden häufig Moderationsmethoden eingesetzt, weil es darum geht, ein Projekt in einem bestimmten zeitlichen Rahmen erfolgreich durchzuführen.

In den projektorientierten Lehrformaten gibt es ebenfalls regelmäßige Treffen, bei denen Studierende ihre Ziele und Arbeitsschritte koordinieren. Auch hier stellt sich die Frage, wer welche Rolle einnimmt. Manchmal werden die Sitzungsleitung und Moderationsaufgaben im rotierenden System an Studierende übertragen, damit Moderationskompetenzen erlernt werden können. Wenn Lehrende solche Projekte begleiten, stellt sich auch hier die Frage, in welcher Rolle sie selbst bei solchen Projektsitzungen dabei sind: als reflektierende Beobachtende, Moderierende, Controller, Auftraggebende, Projektleitende, Prüfende? Wichtig ist Rollen zu klären und transparent zu machen sowie die Bedeutung für den Arbeits- und Lernprozess zu klären.

Abb. 4: Eigene Darstellung von Eva Schumacher | Projekte

In Vorlesungen und großen Gruppen ist das Lehrgespräch ein oft eingesetztes aktivierendes, interaktives Verfahren, da es mit wenig Aufwand und in kurzer Zeit Beiträge aus dem Plenum aufgreifen und in den laufenden Lehrprozess integriert werden kann. Somit ist das Lehrgespräch stärker als bei Diskussionen dozenten- und lernzielorientiert. Lehrende geben einen Impuls (Frage, Aufgabe, etc.) ins Plenum und greifen einzelne Beiträge auf, um sie in den weiteren Vortrag zu integrieren. Die besondere Herausforderung bei Lehrgesprächen ist die Ermutigung Studierender gerade in großen Gruppen Beiträge zu äußern. Darüber hinaus ist es wichtig Beiträge, die nicht so erwartet wurden, wertschätzend, fachlich einzuordnen bzw. richtig zustellen. Gerade für große Gruppen werden inzwischen diverse analoge und digitale Verfahren eingesetzt, um Beteiligung und Lernerfolgskontrollen, wie etwa Clicker- oder TED-Systeme via Smartphone, zu ermöglichen.

Beim Lehrgespräch wird am deutlichsten, dass die neutrale Moderationsrolle hier eher zu einer „Bezüge-herstellenden Moderation“ mit deutlicherem Fachbezug wird.

Abb. 5: Eigene Darstellung von Eva Schumacher | Lehrgespräche

Diskussionen als Auseinandersetzung oder Debatten über ein Thema in einer Gruppe bzw. als Austausch von Argumenten und Meinungsbildung sind z. B. häufig in den Sozial- und Geisteswissenschaften ein zentrales Lernziel. Im Unterschied zur klassischen Wissensvermittlung beginnt hier – etwa nach der Lektüre eines Textes oder nach einem Referat die eigentliche Auseinandersetzung und der Lernprozess – möglichst auf wissenschaftlichem Niveau. Herausforderungen bei Diskussionen sind die ausreichende Vorbereitung durch Textlektüre oder Diskutanten, deren Beiträge nicht dem gewünschten Niveau entsprechen. Auch einzelne bzw. Gruppen, die die Diskussion dominieren und wieder andere, die sich als Stillaktive oder Besuchende wenig bis gar nicht beteiligen fordern eine klare Moderation.

Abb.6: Eigene Darstellung von Eva Schumacher | Diskussion

Insbesondere in Diskussionssitzungen stellt sich die Frage, welche Rolle Lehrende einnehmen. Sind sie neutrale Moderierende, die Beiträge nicht fachlich kommentieren und die Diskussion eher „laufen lassen“, was die Gefahr birgt, dass Studierende hinsichtlich der Qualität ihrer eigenen Beiträge verunsichert sind. Oder sind die Lehrenden Bezüge-herstellende Moderierende, mit der Gefahr, dass Studierende nur auf die Beiträge der Lehrenden reagieren, sodass keine Diskussion mit anderen im engeren Sinne stattfindet. Manche Lehrende delegieren die Moderationsaufgaben als Teil des Leistungsnachweises an Studierende, und begeben sich bewusst in die „Mit-Diskutanten-Rolle“, indem sie sich mit ins Plenum setzen.

Wie oben bereits erwähnt, können Lehrgespräche und Diskussionen in verschiedenen Lehrveranstaltungsformen vorkommen. Welches Format eher üblich und lernförderlich ist, entscheiden in der Regel sowohl die Lehr- und Lernziele, die Gruppengröße als auch die Kulturen an Fakultäten. Auf der Seite www.lehridee.de gibt es ein Methodenglossar, das aktivierende Methoden, die für den Einstieg bis hin zur Ergebnissicherung von Lehrgesprächen und Diskussionen geeignet sind, im Überblick darstellt.

Brinker, T. & Schumacher, E.-M. (2014). Befähigen statt Belehren. Neue Lehr- und Lernkultur an Hochschulen. Lehrkit für Hochschuldozierende. Arbeitsbuch und 66 Methodenkarten. Bern: HEP Verlag.

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